Was ist Basisgewicht und wie berechne ich es?
Wer sich ernsthaft mit Ultraleicht-Wandern beschäftigt, stößt sofort auf den Begriff Basisgewicht. Es ist die wichtigste einzelne Zahl deiner Ausrüstung — wichtiger als das Gesamtgewicht am Trailhead, wichtiger als das Rucksackvolumen, wichtiger als der Preis, den du bezahlt hast.
Trotzdem berechnen die meisten Einsteiger ihr Basisgewicht beim ersten Versuch leicht falsch. Meistens aus Versehen, manchmal weil sie die Verbrauchsgüter anders abgrenzen als üblich. Eine falsche Zahl führt zu falschen Schlüssen — und am Ende zu Optimierungen am falschen Ende.
Dieser Artikel erklärt, was Basisgewicht genau ist, wie du es korrekt berechnest, welche Vergleichszahlen sinnvoll sind und was du mit dem Ergebnis tatsächlich anfängst.
Die Definition
Basisgewicht ist das Gesamtgewicht aller Ausrüstung, die du auf einer Tour trägst — abzüglich der Verbrauchsgüter.
Verbrauchsgüter sind Dinge, die du während der Tour aufbrauchst:
- Wasser
- Lebensmittel
- Brennstoff (Gas, Spiritus, etc.)
- Eventuell kleinere Verbrauchsgegenstände wie Toilettenpapier oder Sonnencreme (die Konvention variiert — dazu unten mehr)
Alles andere zählt zum Basisgewicht: dein Rucksack, dein Zelt, dein Schlafsack, deine Isomatte, deine eingepackte Kleidung, dein Kocher, deine Elektronik, deine Erste-Hilfe-Ausrüstung, deine Heringe.
Die Kleidung, die du beim Losgehen am Körper trägst, zählt nicht zum Basisgewicht. Genauso wenig deine Trekkingstöcke, wenn du sie in der Hand hältst.
Warum Basisgewicht und nicht Gesamtgewicht?
Das Gesamtgewicht ändert sich während einer Tour ständig. Du trinkst Wasser, das Gewicht sinkt. Du füllst am Bach nach, es steigt wieder. Du isst zu Abend, das Gewicht sinkt erneut. Das Gesamtgewicht am ersten Tag einer einwöchigen Tour ist völlig anders als am siebten Tag derselben Tour — obwohl deine Ausrüstung identisch ist.
Das Basisgewicht ist stabil. Es ist das Gewicht, auf das du dich beim Packen festgelegt hast. Es ist vergleichbar zwischen verschiedenen Wanderern, verschiedenen Touren und verschiedenen Jahreszeiten.
Außerdem ermöglicht es sinnvolle Gespräche: „Mein Basisgewicht liegt bei 7,2 kg" ist eine Aussage, die etwas bedeutet. „Mein Rucksack wiegt 11 kg, wenn ich mit fünf Tagen Verpflegung losgehe" sagt fast nichts aus — weil Verbrauchsgüter je nach Wanderer, Jahreszeit und Wasserverfügbarkeit stark variieren.
So berechnest du es
Mechanisch ist der Prozess simpel:
- Wiege jedes Teil einzeln. Eine kleine Küchenwaage (€15 bei Amazon oder im Haushaltswarenladen) reicht. Wenn möglich grammgenau.
- Sortiere alles in Kategorien. Shelter / Schlafsystem / Rucksack / Kleidung / Küche / Navigation / Erste Hilfe / Elektronik / Hygiene / Sonstiges.
- Addiere alles außer den Verbrauchsgütern. Wasser, Lebensmittel, Brennstoff und tagesweise verbrauchte Hygieneartikel bleiben außen vor.
Das ist die Formel. Gesamtgewicht minus Verbrauchsgüter ergibt das Basisgewicht.
In der Praxis liegt die Schwierigkeit im ersten Schritt: Alles einzeln zu wiegen ist mühsam, und die meisten Einsteiger sparen sich die Mühe bei Artikeln, deren Gewicht sie „eh kennen". Dann ist ihr Basisgewicht um 300–500 g daneben, ohne dass sie es merken. Wiege immer. Vertraue nicht den Herstellerangaben — die meisten sind um 5–15 % zu optimistisch.
Track das Ganze in einer Tabelle, in Gearshack oder — für einen einmaligen Check — auf einem Zettel. Das Tool spielt keine Rolle, solange du ehrlich mit den Zahlen bist.
Grauzonen — und wie du sie handhabst
Ein paar Artikel passen nicht sauber in die Aufteilung „Verbrauch / nicht Verbrauch". Die Community hat sich für diese Fälle auf Konventionen geeinigt, aber du solltest die Optionen wenigstens kennen:
Toilettenpapier. Verbrauchsgut. Eine Rolle ist nach einer Mehrtagestour leer. Nicht ins Basisgewicht.
Sonnencreme, Mückenschutz, Handdesinfektion. Werden während der Tour größtenteils verbraucht. Konvention: zählen zu den Verbrauchsgütern.
Die Kleidung am Körper. Nicht im Basisgewicht. Du trägst sie am Körper, nicht im Rucksack.
Kleidung im Rucksack, die du erst bei Kälte anziehst. Im Basisgewicht. Das ist gepackte Ausrüstung.
Trekkingstöcke. Diese Frage ist umstritten. Wenn du sie die ganze Zeit in der Hand trägst, gehören sie nicht ins Basisgewicht. Wenn sie zeitweise am Rucksack hängen, gehören sie zeitweise dazu. Die meisten Wanderer rechnen sie der Einfachheit halber zum Basisgewicht.
Dein Handy. Ja, ins Basisgewicht.
Deine Wanderschuhe. Nicht im Basisgewicht. Das ist sogenanntes „getragenes Gewicht" (engl. worn weight).
Getragenes Gewicht ist eine separate, nützliche Zahl — das Gesamtgewicht inklusive allem am Körper. Weniger gebräuchlich als das Basisgewicht, aber in ambitionierten UL-Kreisen zunehmend relevant.
Welche Vergleichszahlen sind realistisch?
Grobe Orientierung für eine 3-Saison-Tour in Europa mit einer kompetent zusammengestellten Ausrüstung:
| Basisgewicht | Kategorie |
|---|---|
| Unter 4 kg | Sub-Ultralight (SUL) — erfahren, Premium-Material |
| 4–5 kg | Ultralight (UL) — ernsthafte Optimierung |
| 5–8 kg | Lightweight — die meisten engagierten Wanderer landen hier |
| 8–12 kg | Konventionell — Optimierungspotenzial vorhanden |
| Über 12 kg | Schwer — deutliche Einsparungen möglich |
Das sind 3-Saison-Werte. Winter- oder Übergangszeit (April-Mai, September-Oktober) rechtfertigen 1,5–3 kg mehr für zusätzliche Isolation, Schneetraktion und festeres Shelter. Ein 9-kg-Basisgewicht im Winter ist nicht dasselbe wie 9 kg im Juli.
Verfolge keine Zielzahl als Selbstzweck. Ein 5-kg-Basisgewicht, das keine ausreichende Isolation für deine Tour enthält, ist schlechter als ein 8-kg-Basisgewicht, das es tut. Basisgewicht ist eine Messgröße, kein Ziel.
Ein durchgerechnetes Beispiel
Hier ein realer 3-Saison-Hüttenwanderkit für eine Alpentour, von Grund auf gewogen:
| Artikel | Gewicht (g) |
|---|---|
| Rucksack: HMG Windrider 40L | 844 |
| Shelter: Six Moon Designs Lunar Solo + 6 Heringe | 790 |
| Schlafsack: Cumulus X-Lite 400 | 575 |
| Isomatte: Therm-a-Rest NeoAir XLite NXT | 354 |
| Daunenjacke: Patagonia Down Sweater | 390 |
| Regenjacke | 240 |
| Windjacke | 130 |
| Ersatzbasislayer + Socken | 280 |
| Trekkingstöcke (zeitweise am Rucksack) | 400 |
| Kocher + Windschutz + Feuerzeug | 70 |
| Topf: MSR Titan Kettle 850 ml | 118 |
| Becher + Spork | 60 |
| Wasserfilter: Sawyer Squeeze | 105 |
| Flaschen: 2 × 1L Smartwater | 70 |
| Stirnlampe + Ersatzbatterien | 75 |
| Handy | 180 |
| Powerbank 10000 mAh | 195 |
| Karten + Kompass | 90 |
| Erste-Hilfe-Set | 180 |
| Reparatur-Set (Klebeband, Schnur, Nähkit) | 60 |
| Hygieneartikel (ohne Verbrauchsgüter) | 80 |
| Sonnenbrille + Etui | 50 |
| Basisgewicht gesamt | 5,34 kg |
Das ist ein realer 3-Saison-Alpenkit im UL-Bereich. Beachte: Die Verbrauchsgüter — typisch 2,5 kg Wasser und 3–5 kg Lebensmittel zu Tourbeginn — würden das Gesamtgewicht am ersten Tag auf 11–13 kg bringen.
Was machst du jetzt mit der Zahl?
Sobald du dein Basisgewicht hast, ist die nützlichere Frage: Wie verteilt es sich?
Schau dir die prozentuale Aufteilung nach Kategorie an. Für ein typisches UL-Solo-Kit:
- Shelter: 20–25 % des Basisgewichts
- Schlafsystem (Schlafsack + Isomatte): 15–20 %
- Rucksack: 10–15 %
- Isolation + Kleidung: 15–20 %
- Alles andere zusammen: 25–35 %
Wenn eine einzelne Kategorie über 30 % deines Basisgewichts ausmacht, lohnt sich dort das nächste Upgrade am meisten. Wenn dein Shelter 30 % deines Basisgewichts ausmacht, spart eine Optimierung dort mehr Gewicht als fünf kleinere Einsparungen anderswo.
Das ist die einzige Methode, mit der Optimierungsentscheidungen nicht von dem getrieben sind, was beim Kauf gerade Spaß macht.
Basisgewicht in Gearshack tracken
Gearshack berechnet dein Basisgewicht automatisch, sobald du Ausrüstung anlegst. Die Kategorienaufteilung wird in Echtzeit angezeigt, Verbrauchsgüter werden separat markiert, und du kannst benannte Loadouts erstellen (Sommer-Alpen, Winter-Mittelgebirge, Wochenendtour) — jedes mit eigenem Basisgewicht.
Nach 30 Minuten Einrichtung kennst du dein echtes Basisgewicht — inklusive der Teile, die du bisher nur geschätzt hast.
Für die DACH-UL-Szene besonders relevant
In der deutschsprachigen Wanderkultur ist die Hüttentour ein Standard. Wer hauptsächlich von Hütte zu Hütte unterwegs ist — sei es im Alpenvereins-Netz, im Schweizer SAC-System oder in der österreichischen Wanderwegmarkierung — kommt mit einem leichteren Kit aus als jemand, der vier Nächte wild zelten möchte. Eine Hüttenwanderung im Sommer kann mit 4–5 kg Basisgewicht funktionieren. Eine Mehrtagestour mit Wildzelten im Frühjahr braucht eher 6–8 kg.
Diese Unterscheidung wird in englischsprachigen UL-Quellen oft übersehen. Sie ist aber wichtig: Die DACH-Tourenkultur erlaubt eine leichtere Grundausstattung, weil Hüttennetz und Schutzhütten als Basisinfrastruktur funktionieren.
Möchtest du dein Basisgewicht mit anderen Wanderern in ähnlichen Bedingungen vergleichen? Öffentliche Loadouts in Gearshack zeigen reale Zahlen aus realen Kits. Jetzt anmelden und vergleichen.